Sprachendienst Stephan Friess

Eine rote Banderole zierte die Verpackung einer Duschkabine: "Vorsicht! Nicht brechen!" Als das Produkt durch die Hände des Übersetzers gegangen war, wurde auch der französische Kunde gewarnt: "Attention ! Ne pas vomir !" (Nicht erbrechen!)


Gerber, der amerikanische Hersteller von Babynahrung, wirbt auf den Verpackungen seiner Produkte mit einem lachenden Kind. Die Aufmachung wirkte scheinbar in den Vereinigten Staaten so absatzfördernd, daß man sich entschloß, diese für den Vertrieb in Kanada und Mexiko beizubehalten, natürlich aber die Texte übersetzen zu lassen. Und, in der Tat, auch bei den Nachbarn wurden Unmengen an Kleinkindkost verkauft. Da das Konzept auch in anderen Ländern vollen Erfolg hatte, wagte man den Sprung auf den schwarzen Kontinent, doch die Enttäuschung war groß. Eine genauere Analyse des Problems förderte Erstaunliches zutage: Dort, wo auch hierzulande "irgendetwas" die Packung ziert, das beim Verbraucher positive Assoziationen zu wecken vermag, finden wir in Afrika ein Abbild des Produktes, angesichts der Tatsache, daß dort viele Kunden nicht lesen können.


Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Solange einem die Technik keinen Strich durch die Rechnung macht wie im Film "Die Maske". Als Stanley Ipkiss die Maske findet, schreit er in der deutschen Version "Hallo!?". Sein Echo antwortet ihm auf Englisch.


Deutschland lag in Schutt und Asche, die notwendigsten Dinge fehlten zum Leben. Doch woran mangele es den Deutschen denn am meisten, wollten die amerikanischen Besatzer wissen. Man signalisierte dem Dolmetscher den Bedarf an "Getreide", dieser bat dann die Amerikaner um "corn". So erklärt es sich also, daß sich Nachkriegsdeutschland überwiegend von Mais ernährte. - Zum Glück, muß man sagen. Nicht vorzustellen, wenn die Deutschen direkt "Mais" geordert hätten und "mice" geliefert bekommen hätten.


Sie haben gerade Ihren Geschäftspartner gebeten, den Vertrag "on the backside" zu unterschreiben? Und er zückt mit einem diabolischen Grinsen seinen Federhalter? Wehren Sie sich mit allen Mitteln! Denn wahrscheinlich wird er jetzt wirklich versuchen auf Ihrer "backside", also auf Ihrem Hintern, zu signieren. Warum sagen Sie ihm denn auch nicht, daß er seinen Namen "on the reverse" hinzufügen soll?! Äußerst anschaulich ist dies im Buch von Paul Smith dargestellt.


Zwei Tage lang hatte mein Nachbar in seinem Hotelzimmer in Venedig nur heimlich seine Stullen verdrückt. Dass Essen dort verboten war, konnte er schließlich trotz Rechtschreibfehler dem Schild auf dem Nachttisch entnehmen. Nett, dass er sogar ein Foto davon für meine Anekdotensammlung machte. Aber richtig interessant wurde es dann erst, als wir die italienische und englische Version lasen. Nicht das Essen war verboten, sondern das Bügeln (to iron). Tja, vergeblich gefastet.
Fehlübersetzung eines Verbotsschildes im Hotel in Venedig


Vorsicht sollten Unternehmen walten lassen, die beabsichtigen, Ihre Produkte auch im fremdsprachigen Ausland anzubieten. Nachdem sich die Marketingabteilung keine Pause gegönnt hatte, dem Kind einen wohlklingenden Namen für den heimischen Markt zu verpassen, neigt man jedoch dazu, diesen voller Stolz zusammen mit dem Produkt zu exportieren. Dieses ist jedoch nicht immer von Erfolg beschienen:

Als Vicks im Jahr 1954 mit seinen Produkten auch in Deutschland der Erkältung den Kampf ansagte, husteten die Patienten auf die wohlgemeinte Hilfe. Erstaunt nahm die Firma zur Kenntnis, daß unser Vogel-V manchmal auch wie "f" ausgesprochen wird, und änderte ihren Namen in "Wick".


Daß Produktbezeichnungen mit Sorgfalt zu wählen sind, sehen wir auch am Versuch des amerikanischen Automobilherstellers Chevrolet, sein erfolgreiches Modell "Nova" auf dem mexikanischen Markt zu verkaufen, dort jedoch von deutlich weniger Erfolg gekrönt. Untersuchungen ergaben, daß "no va" auf Spanisch "funktioniert nicht" bedeutet. Hätten Sie Vertrauen zu einem solchen Kleinwagen?


Mit ähnlichen Überraschungen sah sich Fiat konfrontiert, als sein "Regata" auf dem schwedischen Markt floppte. Ja, ist es denn ein Wunder, daß sich niemand ans Steuer einer "streitsüchtigen Frau" (regata) setzen möchte? Oder vielleicht daß sich ein Finne nur ungern in einen "Idioten" (uno) setzt?


Und hätte der Hersteller Mitsubishi, vorher im Wörterbuch nachgeschlagen, was "Pajero" bedeutet, nämlich "Wichser", so hätten Sie in Spanien mit Sicherheit ein paar Peseten mehr verdient.


Sind Sie nun Besitzer eines Fahrzeugs mit diesen oder ähnlich wohlklingenden Namen, so kann es Ihnen durchaus einmal passieren, daß Sie überraschend Opfer eines plötzlichen Kälteeinbruchs werden und frierend vor dem vereisten Türschloß Ihres Lieblings stehen. Wenn Sie nicht den Pannendienst rufen wollen, haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder steckt in ihrer Manteltasche der Türschloßenteiser einer finnischen Firma mit dem Namen "Super Piss" oder Sie ... einfach dagegen.

Übersetzer für Spanisch in Ravensburg